Ich packe meine Koffer …

2020 von der Stiftung Buchkunst zu einem der Schönsten Deutschen Bücher gekürt und wohl niemals passender als in Corona-Zeiten, in denen viele Reisepläne durchkreuzt wurden: Mit »Baedekers Handbuch für Schnellreisend« (MairDumont) besucht der geneigte Leser nicht nur Destinationen in aller Welt, sondern unternimmt mit dem Gründer der gleichnamigen Erfolgsreihe, Karl Baedeker (1801–1859), einen Ausflug in die Historie. Da stellt der Reisepionier äußerst »praxisnah« eine Packliste für eine Ägyptenexkursion zusammen, die unter anderem 60 Flaschen französischen Rotwein aufführt und rät Damen dringend davon ab, auf die Pyramiden zu steigen (die Anstrengung!). Auch für den »Massentourismus« im Jahr 1843 und damit für den »Reisepöbel, der die Rheinlandschaft heuschreckenartig überflutet« findet er deutliche Worte …, wenn er denn nur noch erlebt hätte, wie sich die Massen heute auf Flusskreuzfahrten drängeln. 



Form und Inhalt – ein Genuss

Ein inhaltlich reizvolles Buch, das freilich mit einem Reiseführer nicht mehr viel gemein hat, wenngleich sich grundlegende Dinge wohl niemals ändern (Trinkgeld nicht vergessen). Die bissigen Zwischenkommentare von Christian Koch strapazieren darüber hinaus arg das Zwerchfell. Für die Juroren der Stiftung Buchkunst war aber sicherlich die formale Umsetzung von Herburg Weiland ein noch viel größerer Lustgewinn: Markant typografisch und damit in historischer Anlehnung gesetzt, der Umschlag im klassischen »Baedeker-Rot« mit neonpinkem Farbschnitt – ein Schmuckstück, das innen wie außen überzeugt. Auf 400 Seiten warten Geschichten und Anekdoten aus den Anfängen der Tourismusbranche, die ans Mittelmeer, nach Indien, Palästina, Ägypten, Belgien und Syrien führen. Wunderschöne Illustrationen komplettieren das Vergnügen. 

Nicht ärgern also, dass der Sommer 2020 so ganz anders war, sondern sich gelegentlich gemütlich im Liegestuhl einfach an andere Orte und in eine ganz andere Zeit beamen – und sich darüber freuen, dass Reisen heute doch um einiges bequemer ist …

Design: Herburg Weiland