Klopapier – eine Loseblatt-Sammlung

Fundstücke von Juli Gudehus

Was für den einen Modelleisenbahn oder Fingerhüte, Briefmarken oder Münzen, Gartenzwerge oder Knöpfe, ist für Juli Gudehus das Klopapier. Seit Beginn der Corona-Krise ein ganz besonderes Alltagsutensil, dem über Gebühr Beachtung geschenkt wurde – allerdings nur in quantitativer Hinsicht. Die Berliner Designerin legt ihr Augenmerk da weniger auf das Horten von 16-Rollen-Vorratspackungen, sondern auf die Designs, die durchaus einen Blick wert sind. 844 Blätter kamen innerhalb von etwa 30 Jahren aus den verschiedensten Ecken der Welt zusammen; fein säuberlich in A5-Klarsichthüllen archiviert – »ein bisschen wie eine Schmetterlingssammlung«, meint Juli Gudehus dazu und verrät auch gleich, wie sie zu diesem ungewöhnlichen Sammelgebiet kam: »Für das Jahr 1999 hatte ich einen Abreißkalender gestaltet, der auf 365 Blättern je ein Verfallsdatum zeigte. Da dieser so für Furore sorgte, überlegte ich, was ich folgen lassen könnte und dachte: haha, für das Jahr 00 mache ich einen Klopapierkalender! Dazu kam es dann zwar nicht, aber mit dem Sammeln fuhr ich trotzdem fort.« 


Von der privaten Sammlung zur Youtube-Serie

Der bereits angesprochene und immer noch unerklärliche Run auf Drei- oder Vierlagiges in den Supermarktregalen war schließlich die Initialzündung, eine Youtube-Serie zu produzieren: »In meinen bürokratischen Aktenordnern sind diese Schätze nach Themen sortiert, die auch den roten Faden durch die Folgen bilden. Da gibt es zum Beispiel eine über Bären, eine andere über Fehler, wieder andere über Fußball, Jahreszeiten, Noppen und so weiter.« Bei aller Unterhaltsamkeit und Augenzwinkern verfolgt Juli Gudehus dennoch einen ganz professionellen Gedanken auf der Jagd nach neuen Exponaten: »Nicht ohne Grund nenne ich meine Reihe ›Gestaltung für den Arsch‹. Ich erlebe häufig, wie viel von dem mit Liebe und Bedacht Gestalteten übersehen und für minderwichtig gehalten wird. Und zwar sowohl von Auftraggebern und Herstellern als auch von Käufern und Benutzern. Das zeigt sich für mich kaum deutlicher als im Bereich des Klopapierdesign. Zwar offenbart sich bei genauerem Hingucken, dass auch hier durchaus darüber nachgedacht wird, was und wie visuell kommuniziert wird. Aber die Hersteller scheinen das zum großen Teil dann einfach doch nicht so wichtig zu finden. Überlegungen zur eigenen Marke, zu einer Wiedererkennbarkeit, zum Potenzial als Einrichtungs-Accessoire und als Medium, das so viele Haushalte erreicht – all das erkenne ich bei all meinen Exponaten nur bruchstückhaft«. Zu den Highlights ihrer Sammlung zählt sie selbst ein braunes Klopapier aus den frühen Achtzigern, ein Blatt der Deutschen Bahn – also ehemaliges Staatseigentum – sowie ein mit Tarnmuster bedrucktes Klopapier, das jedoch keine Eigenmarke der Bundeswehr ist. Mehr zu entdecken gibt es auf ihrem YouTube-Kanal



Über Fundstücke freut sich die Gestalterin immer: