Print meets Digital

Ein Gespräch mit Rüdiger Maaß

Am 20. und 21. Oktober trifft sich die Branche nach der Corona-Auszeit wieder in Düsseldorf zur Print & Digital Convention und möchte erneut aufzeigen, wie sich klassische Printkommunikation mit digitalen Strategien verbinden lässt. Natürlich ist auch Ihre IGEPA group vor Ort, um mit Innovationen zu inspirieren. Im Vorfeld sprachen wir mit Initiator Rüdiger Maaß, Geschäftsführer des Fachverbands Medienproduktion e. V. (fmp) über die Chancen und Hürden dieses Spannungsfeldes.




Natürlich freuen sich alle, dass man sich nach langer Zeit wieder persönlich sehen kann. Wie wichtig sind aber Vor-Ort-Veranstaltungen wie die Print & Digital Convention für einen Verband?

Nun, das ist ganz einfach – in Summe gibt es dafür mehrere Gründe: Zum einen sind wir ein Networking-Verband und wie kann das besser gelingen? Letztlich leben wir alle von persönlichen Beziehungen und diese können Sie digital nur bedingt aufbauen, pflegen und aktivieren. Zum anderen sind wir im Bereich der beruflichen Weiterbildung sehr aktiv. Und da geht es nicht nur um Wissenstransfer, sondern um das Verstehen, Interagieren, um Reflexion und vieles mehr. Wir haben zwar zahlreiche Web-Seminare durchgeführt, aber diese waren nur bis maximal 2 Stunden effektiv. Die Tests für mehrtägige Weiterbildungen haben bei uns deutlich gezeigt, dass die Qualität auf der Strecke bleibt. Die Print & Digital Convention ist als New-Business-Plattform nochmals anders einzuordnen: Hier will man Neuigkeiten entdecken, erleben und erfahren. Wir bringen hier Angebot und Nachfrage persönlich zusammen – quasi als chemische Reaktion.


Lösungen für die Verbindung klassischer Printkommunikation mit Digital- und Onlinestrategien aufzuzeigen, ist Ziel des Events. Warum fremdelt die Druckbranche nach wie vor ein wenig mit der digitalen Welt?

Das würde ich so nicht sagen. Warum soll ein Drucker sein Geschäftsmodell plötzlich von Print ins Digitale ändern? Das ergibt in Summe nur bedingt Sinn. Aufgabe muss es sein, dass sich Print weiter radikal verändert und seine Stärken in der crossmedialen Welt ausspielt. Diese Aufgabe kann ein Drucker nicht alleine lösen; da ist Gattungsmarketing gefragt und in dem Feld sind wir seit vielen Jahren aktiv. Wir müssen quasi Lösungen aufzeigen, die die Kunden in der Kommunikation erfolgreicher macht. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele – PrintedElectronics, Medienbrücken und so weiter. Ich glaube, dass wir generell noch sehr weit weg sind von der vollumfänglichen Nutzung aller Möglichkeiten der erfolgreichen Kommunikation. Und hier fängt das Fremdeln an. Auftraggeber müssten viel mehr Interesse an interdisziplinärer (erfolgreicher) Kommunikation haben. 



»Es herrscht aber immer noch ein sehr starkes Kanaldenken.«



Es ist also letztlich eine Frage der Kommunikation zwischen allen Beteiligen? 

Ja, genau. Die grafische Branche müsste mehr Empathie für die Kommunikationsindustrie zeigen und die Kommunikationsindustrie müsste sich sehr viel mehr um die möglichen Lösungen kümmern, anstatt das Heil in der digitalen Welt zu suchen.


Welche Schwerpunkte erwartet die Besucher der kommenden Print & Digital Convention?

Das Thema Value added Printing spielt eine immer größere Rolle. Damit meine ich nicht die technische Veredelung, sondern das Schaffen von Mehrwert in alle Richtungen. Die Nachhaltigkeit ist gesetzt und wird gerade in der Branche wiederentdeckt – zum Glück. Und dann spielen Digitaldrucklösungen eine immens wichtige Rolle.






Zum Stichwort Nachhaltigkeit: Wie können Sie in diesem Punkt Verbandsmitglieder unterstützen, die ihr Unternehmen ökologischer ausrichten möchten?

Das tun wir seit vielen Jahren. Unsere Brancheninitiative Media Mundo hat hier immense Pionierarbeit geleistet und inhaltlich eine Menge zu bieten. Aber es gibt nicht nur Informationen, sondern auch konkrete Hilfe und Beratungsangebote. Letztlich sind wir diesbezüglich auch im Bereich der Marktentwicklung unterwegs. So haben wir gerade mit der UMDEX-Initiative eine Marktrecherche zum Blauen Engel abgeschlossen.


Welche Ziele werden mit UMDEX erfolgt?

Im Wesentlichen ist UMDEX eine Positionierungsplattform für nachhaltige Druckereien. Mit hochwertigem journalistischem Content können sich zertifizierte Unternehmen hier präsentieren, aber auch auf diesen für ihre eigene Kommunikation zugreifen. Ins Leben gerufen wurde diese Plattform von Jürgen Zietlow und Guido Rochus Schmidt; der fmp unterstützt diese Initiative und kooperiert an vielen Stellen mit UMDEX. So erarbeiten wir beispielsweise gerade gemeinsam ein Whitepaper, das verschiedene Zertifizierungen hinsichtlich Kosten und Aufwand miteinander vergleicht. 


Denken Sie, dass die Corona-Pandemie unsere Medienwelt dauerhaft verändern wird? Man spricht ja gerne vom New Normal – das Haptische, das physische Erleben wird nach der langen Online-Phase derzeit fast schon glorifiziert. Ist das ein kurzfristiger Effekt oder wird hier etwas hängenbleiben?

Ich glaube, dass die Pandemie den generellen Trend nur beschleunigt hat. Aber es wird auch nicht so bleiben (können), wie es jetzt ist. Viele Unternehmen sind immer noch paralysiert und von der Veränderungsgeschwindigkeit überfordert – zu Recht. Generell bleibt zu sagen »Nichts bleibt so, wie es in Zukunft einmal sein wird«. In unserer Branche hat diese Aussage besondere Bedeutung. Aber jetzt müssen wir uns nicht nur selbst neu erfinden, sondern Print neu positionieren. Diese Aufgabe ist so krass, dass sich viele Unternehmen dazu nicht in der Lage sehen – sie warten nur auf irgendwelche Lösungen. Das wird uns aber nicht voranbringen. Wenn wir nicht lernen, gemeinsam aktiv zu werden, dann verwalten wir nur die Vermächtnisse der letzten Jahre. 



»Wir müssen die Zukunft gestalten – dazu haben wir ein gigantisches Potenzial!«



Wie ist es derzeit um den Nachwuchs bestellt? Druckereien beklagen durchaus, dass das drucktechnische Fachwissen unter Kreativen immer mehr abnimmt. Kann hier der Verband mit seinen Angeboten entgegenwirken?

Das Problem war vor Corona schon immens, aber es hat niemanden interessiert. Unser Land steuert schon seit Jahren auf einen gigantischen Fachkräfte-Mangel zu und dieses Problem ist hausgemacht. Weiterbildung ist immer das erste Thema, bei dem gespart wird und am Ende spart man sich zu Tode. Die Quittung bekommen wir jetzt und es wird noch schlimmer kommen: In Zukunft werden die wenigen verfügbaren Arbeitskräfte auch noch teurer werden, denn die können sich aussuchen, wo sie arbeiten wollen. Als Verband monieren wir das seit Jahren, aber so ist das mit den Missionaren im eigenen Land! Angebote hätten wir genug, die Unternehmen müssen aber erst lernen, dass wir nur mit qualifizierten Mitarbeitern eine Zukunftschance haben. Sie sind unser wichtigstes Kapital!


Sie sind schon so lange in der Branche: Gibt es Entwicklungen oder Lösungen, die selbst Sie noch überraschen?

Ja, auf jeden Fall! Ich bin immer wieder überrascht, dass es kreative Köpfe gibt, die Print neu inszenieren. Da kommen Medien heraus, die echt überraschen und begeistern. Technisch gibt es eher nur Weiterentwicklungen, aber für wen wir diese Techniken kombinieren können, wird auch künftig neue Herausforderungen bieten. So ist es auf der einen Seite überraschend, dass es immer wieder neue Zielgruppen gibt (z. B. Gamer), die so individuelle Herausforderungen an die Kommunikation haben, dass es spannend bleibt. Auf der anderen Seite ist es aber ernüchternd, wie wenig begeisterungsfähig unsere Branche für ihr eigenes Produkt ist – für Print.


»Zukunft braucht Raum, Kreativität, Papier und …«

… Mut und Anführer.