Nachlese: Trauben, Transit Traumpapier

Selection Calling in Trier

Nach langer Corona-Pause, die ausschließlich Online-Formate zuließ, war es endlich wieder soweit: Die IGEPA war mit der Reihe Selection Calling zu Gast der Hochschule Trier, Campus Gestaltung. Wie kann Zukunft gelingen? Diese Frage diskutierte Sabine Reister, Produktmanagerin Paper & Print, mit spannenden Gästen: Ulf Jäneke (Freytag und Petersen), Silvia Günther (Druckerei EnschEnsch Media), Winzer Sebastian Oberbillig, Sandra Blach (Mondi) sowie Tobias Sauer (Designer und Theologe, ruach.jetzt) hatten ganz unterschiedliche Antworten hierauf.

In der Weinregion Mosel zu Gast, konnte nach coronabedingter Pause endlich wieder ein Austausch von Angesicht zu Angesicht frische Impulse und auch für die Zuschauer des Live-Streams Inspiration bieten. Eine Besonderheit diesmal: Illustratorin Kat J. Weiss stellte eine Illustration mit dem Titel »System Change« zur Verfügung, die auf Pergraphica entstand und während des Gesprächs verlost wurde. 



Ulf Jäneke, Vertriebsleiter von Freytag und Petersen, eröffnete den Gesprächsreigen und erläuterte zunächst, wie das traditionsreiche Unternehmen alle Höhen und Tiefen der vergangenen 100 Jahren meisterte: »Unser Jubiläumsbuch ›Durch dick und dünn‹ fasst es eigentlich gut zusammen – wir pflegen in und zwischen unseren Niederlassungen einen starken Zusammenhalt, sind immer neugierig geblieben und stets offen für Innovationen. Das ist in meinen Augen auch der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft«. 

Mit Silvia Günther stellte Sabine Reister schließlich eine Doppel-Unternehmerin vor: Bei der Druckerei Ensch und Ensch-Media trifft Handwerk auf Kreation, Produktion auf Gestaltung. Sie erzählte von ihrem täglichen Spagat, der eine gehörige Portion Leidenschaft und nicht zuletzt die Unterstützung ihrer ganzen Familie erfordert. »Wir führen das Unternehmen bereits in der vierten Generation und sind einfach ein tolles Team. Auch bei uns ist eine stetige Weiterentwicklung wichtig – und ebenso der frische Input von jungen Mitarbeitern gerade im Mediamix«. Nach einem coronabedingten Einbruch in der Printproduktion stellt die Geschäftsführerin nun wieder eine erfreuliche Gegenbewegung hin zum haptischen Erleben fest. 

Wie kann Zukunft in ihren Augen gelingen? »Offen sein, Trends und Themen aufspüren, die bewegen – und dabei schnell sein«, so Silvia Günther, deren Designstudio Ensch Media kürzlich das Logo des nachfolgenden Gastes Sebastian Oberbillig redesignte. Der leidenschaftliche Winzer produziert nicht nur Wein, sondern ist ebenso gerne Gastgeber in seiner Weinstube. Ein eingespielter Film über das Wirken, die Philosophie und die herrliche Umgebung des Weinguts Deutschherrenhof gab zunächst ein wenig von der Passion preis, die in jedem guten Wein steckt. Dass Kunden oft nur nach dem Etikett auswählen, findet er selbst nicht dramatisch: »Wein wird einfach immer mehr im Handel erworben und hier ist das Packaging ganz wichtig für die Kaufentscheidung. Im Gesamteindruck müssen sich Region, Produzent und Produkt auf Etikett und Flasche harmonisch widerspiegeln, um den Kunden nicht zu enttäuschen.« Auch Parallelen zwischen Papier und Weinanbau erarbeiten Sabine Reister und Sebastian Oberbillig schließlich heraus: »Bei uns geht es auch viel um Materialität: Jeden Morgen sehen wir uns schließlich die Trauben und ihre Haptik an«. In seinen Augen gelingt Zukunft dann, wenn man sich ihren Themen stellt – in seinem Fall ist dies vor allem der Faktor Umwelt, den es nachhaltig zu gestalten gilt. Selbstverständlich durften sich die Gäste vor Ort auch persönlich von der Qualität der Weine überzeugen; für alle Online-Zuschauer sei der Onlineshop des Winzers erwähnt. 



Das Stichwort Haptik führte nahtlos zu einem der Stars unter den Designpapieren und damit zu Sandra Blach (Customer Project Development Manager, Mondi): Mit Pergraphica gelang vor einigen Jahren ein großer Coup, der mit der Einführung von 16 Farbvarianten sowie einem Tiefschwarz im vergangenen Jahr nochmals gekrönt wurde. »Perfektion liegt im Detail«, so der Claim der neuen Wow-Box, die Sandra Blach näher vorstellte. »Bei der Entwicklung neuer Sorten stehen immer der Kunde und seine Bedürfnisse im Fokus. Diese sind natürlich je nach Standort, kulturellen Einflüssen, Alter der Kreativen und vielem mehr unterschiedlich – hier gilt es, diese Anforderung auf einen Nenner herunterzubrechen«, erzählt sie von der Arbeit an Pergraphica. »Auch in Zukunft wird Papier eine Rolle spielen«, da ist sich Sandra Blach sicher. »Solange wir Menschen sinnliche Wesen sind, werden wir haptische Dinge zu schätzen wissen.«



Mit Tobias Sauer nahm zu guter Letzt ein Kreativer auf dem gelben Ohrensessel Platz, der einen spannenden Lebensweg aufweist. Der Designer und Theologe agiert als Berater in Trier und ist der festen Überzeugung: Wer nicht professionell kommuniziert, der braucht gar nicht zu kommunizieren. Das gilt für den Sneaker-Store oder das Gin-Label ebenso wie für Bistümer oder Landeskirchen, die allesamt zu den Kunden von Tobias Sauer zählen: »Die Aufgabe besteht immer darin, die richtigen Kanäle zu finden sowie gerade im kirchlichen Bereich den Sprachkodex aufzubrechen. Erfolgreiche Kommunikation vermittelt die Leidenschaft des Absenders, auch wenn der Empfänger noch gar kein Hintergrundwissen über ein Produkt – oder die Kirche – hat«.



Gemeinsam mit Ulf Jäneke wies Sabine Reister im Anschluss nochmals auf die Spendenkonten für die betroffenen Überschwemmungsgebiete in der Region der Mosel hin und überließ Bänkelsänger Andreas Sittmann für einen stimmungsvollen Ausklang die Bühne. Allen Beteiligten gebührt Dank für eine facettenreiche Veranstaltung, die wie immer nochmals als Video angesehen werden kann: