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Analoge Nachhaltigkeit

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Eine nachhaltige Printproduktion ist weit mehr als Druck auf Recyclingpapier. Wie kann man im Print aber rundum ökologisch agieren und trotzdem den gewohnten Qualitätsstandard halten? Ein Gespräch mit Mario Drechsler (Highendmedia) war diesbezüglich aufschlussreich …

In einer Webseminar-Reihe der IGEPA hattest Du bereits einmal verschiedene Aspekte der Druckqualität und Nachhaltigkeit in der Printproduktion beleuchtet. Fangen wir mit Druckstandards an – warum sind sie so wichtig? 

Es ist tatsächlich erstaunlich, dass hier oft wenig Grundwissen vorhanden ist. Dabei ist gerade bei farbkritischen Anwendungen, wenn beispielsweise innerhalb eines Magazins die Hauttöne genau passen müssen und zwar auf allen Seiten, eine Standardisierung des gesamten Workarounds von der Bildbearbeitung über Proof, PDF-Export und Druckprozess unabdingbar. Man kann zwar auch ohne Standards ein sehr gutes Ergebnis erreichen, das ist aber eher ein Glücksspiel und kaum wiederholbar. Wenn man sicher gehen will, dass beispielsweise eine Corporate-Farbe im Druck auch wirklich stimmt, muss mit Profilen und Standardisierungen gearbeitet werden. 

Ist für das richtige Farbmanagement denn nicht der Drucker zuständig?

Das ist tatsächlich merkwürdig: In früheren Zeiten hat sich der Lithograf um die Farbabstimmung gekümmert, den es ja bekanntlich nicht mehr gibt. Dadurch ist ein Vakuum entstanden: Der Grafiker verlässt sich auf den Drucker und der möchte wiederum ungern die Daten des Grafikers anfassen. Daher kann ich nur jedem Kreativen empfehlen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen – nur so hat man die letztlich die Druckqualität selbst in der Hand. 

Inwieweit spielt das perfekte Farbmanagement in die Nachhaltigkeit hinein?

Qualität ist ja per se nachhaltiger – ob beim Auto oder Printprodukt. Ein hochwertiges Druckprodukt wird gelesen und ist so auch die Energie wert, die eingesetzt wurde. Zudem erreicht man mit einer guten Qualität seine Zielgruppe mitunter besser als mit einer billig produzierten hohen Auflage.  Und bei nachhaltig produzierten Produkten gibt es keine Abstriche in der Qualität, wenn es richtig gemacht wird.

Welche Punkte sollte der Gestalter noch im Auge behalten?

Sich mit Zertifikaten zu beschäftigen, ist von Vorteil, denn nicht jedes zusammengebastelte Icon mit einem Bäumchen, ist vertrauenswürdig. Die großen, etablierten Zertifikate hingegen werden immer unabhängig und regelmäßig überprüft. Auch hinsichtlich des geplanten Formats können beispielsweise nicht nur Versandkosten, sondern Ressourcen gespart werden. Und nun kommen wir wieder zu Standardprofilen: Wenn ich konsequent standardisiert arbeite, passt der erste Andruck schon ziemlich genau. Man hat nicht mehr soviel Makulatur, verbraucht weniger Platten, die Maschinen laufen weniger lang et cetera. Man sollte bei der Wahl der Druckerei also nicht nur auf den Preis schauen – das spart oft viel Zeit, Energie und eben überflüssige Abfallprodukte. Mich erstaunt es, dass oft zu wenig Zeit dafür ist, etwas richtig ordentlich zu machen, aber dann doch wieder Zeit da ist, etwas nochmal zu machen. Fest steht, eine nachhaltige Produktion beginnt schon vor der Produktion. 

Welche Rolle spielt es dabei, regionale Dienstleister zu beauftragen?

Ich finde das schon seit längerem wichtig, auch abseits von Transportemissionen. Wenn ich regional produziere, habe ich einen ganz anderen Bezug zu dem Produkt - ich kann dem Dienstleister in die Augen schauen. Das ist ein ganz anderer Wert als eine anonyme Produktion irgendwo am anderen Ende der Welt, bei der ich noch nicht einmal weiß, wo das Papier herkommt und wie die Menschen dort arbeiten müssen. Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit, aber auch für Produktionsbedingungen ist schon gestiegen. 

Ist der Blaue Engel auch ein Kriterium bei der Wahl der Druckerei?

Bei solch zertifizierten Druckereien ist in jedem Fall ein großes Einsparpotential bezüglich dem Verbrauch von Energie und fossilen Ressourcen gegeben. Zudem werden schädliche Emissionen wie CO2 und weitere gefährliche Einsatzstoffe vermieden. Und das alles mit Einsatz nachwachsender Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe.

Lass uns noch kurz Druckfarben ansprechen …

… was immer schwierig ist. Prinzipiell sind natürlich gut deinkbare Farben, die biologisch abbaubar sind, gerade bei hohen Auflagen vorzuziehen. Aber auch bei Biofarben ist nicht automatisch eine gute Deinkbarkeit gegeben – hier hilft, um sicher zu gehen, nur ein Deinkingtest beispielsweise bei der Ingede. Ein oft vernachlässigter Punkt ist jedoch, dass Farben möglichst schon in der Anwendung, also während des Druckens nicht gesundheitsschädlich sein sollten.  

Nachhaltigkeit ist also kein Hexenwerk, man muss sich aber doch einiges aneignen. Wie kannst Du Deine Kunden hier unterstützen?

Oft werde ich angerufen, wenn beispielsweise ein neues Printprodukt auf den Markt kommt und eine nachhaltige Produktion angestrebt wird. Dann kümmere ich mich von der Papierauswahl über die Datenaufbereitung bis hin zur Zertifizierung um alle relevanten Aspekte. Das sorgt für Sicherheit in der Produktion und spart den Verlagen viel Zeit.

http://www.highendmedia.de/